- 30.7.2026
- News
Wie viel Stahlbeton braucht ein Industriebau wirklich, und wie viel davon lässt sich klug einsparen, ohne dass die Statik darunter leidet?
Genau dieser Frage sind wir bei unserem aktuellen Bauabschnitt F27 für das Institut Dr. Foerster in Reutlingen konsequent nachgegangen. Kürzlich hat uns dazu Dr. Karsten Pfeffer besucht, Erfinder von UNIDOME, im Gespräch mit Michael Frey, Partner bei SCHMELZLE+PARTNER. Er wollte sich vor Ort ansehen, wie wir bei F27 mit UNIDOME-Hohlkörperdecken bauen, und der Termin hat noch einmal deutlich gemacht, worum es bei dieser Bauweise eigentlich geht: nicht um den Verzicht auf Beton, sondern um seinen intelligenten Einsatz genau dort, wo er tatsächlich gebraucht wird.
Das Prinzip dahinter ist unaufgeregt und wirkungsvoll zugleich. UNIDOME-Hohlkörper sind Kunststoffkugeln, die in die Bewehrung einer Decke eingelassen werden. Sie verdrängen genau dort Beton, wo er ohnehin keine tragende Funktion hat. Statt einer massiven Vollbetondecke entsteht eine Konstruktion, die deutlich weniger Material braucht, aber genauso trägt. Zusammengesetzt werden die Kugeln direkt auf der Baustelle, was den Prozess unmittelbar in unseren Bauablauf integriert und keine zusätzlichen Umwege über externe Fertigung nötig macht. Die eigentliche Ingenieurleistung passiert allerdings vorher, am Rechner: Per Algorithmus wird für jede Decke berechnet, wo wie viel Material tatsächlich gebraucht wird. In gering belasteten Bereichen sitzen viele und große UNIDOME-Kugeln, in tragenden, lastintensiven Zonen bleibt es bei vollem Stahlbeton. So entsteht eine Decke, die dort Masse einspart, wo sie überflüssig wäre, und dort stabil bleibt, wo es zählt.
Aktuell befinden wir uns mitten im Bauabschnitt F27: einer Erweiterung von Produktion, Montage und Verwaltung mit gut 20.000 m³ umbautem Raum. Ein Projekt dieser Größenordnung ist immer auch ein Stück gebaute Zukunft, und genau das macht es für uns als Architekturbüro so spannend. Es verbindet die harten Anforderungen eines Industriebaus, Statik und Funktionalität, mit der Frage, wie zukunftsfähig wir heute schon bauen können. F27 ist damit nicht nur eine bauliche Erweiterung, sondern auch ein Testfeld dafür, wie sich nachhaltige Prinzipien in einem realen, termingebundenen Projekt konsequent umsetzen lassen.
Und die Zahlen zeigen, dass sich dieser Ansatz auszahlt: 13.301 verbaute UNIDOME-Kugeln, 181 Kubikmeter eingesparter Beton und eine CO2-Reduktion von 38 Tonnen. Auf 20.000 m³ umbautem Raum ist das kein Nebenschauplatz, sondern gelebte Praxis. Es zeigt, dass sich Nachhaltigkeit und Statik zusammendenken lassen, wenn man an der richtigen Stelle ansetzt, und dass gebaute Zukunft eben genau das bedeutet: Verantwortung, die sich in konkreten Zahlen und in gebauter Substanz niederschlägt.
Doch damit nicht genug: Auch beim Rückbau und Recycling wurde der Nachhaltigkeitsgedanke konsequent weitergedacht. Über beispielsweise ein Wasserbad werden die Reste der UNIDOME-Hohlkörper vom Beton getrennt. Während die Kunststoffelemente an der Oberfläche schwimmen und vollständig für die Herstellung neuer Hohlkörper recycelt werden können, wird auch das übrige Material sortenrein getrennt und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt. So endet der Nachhaltigkeitsgedanke nicht mit der Fertigstellung des Bauwerks, sondern begleitet den gesamten Lebenszyklus.